FUGA - Die Forelle: Schubart und Schubert
von Christian Friedrich Daniel Schubart und Franz Schubert
Kann ein Kunstlied aus der Zeit der Romantik Unterrichtsgegenstand sein?
Eine Erklärung ist nicht zu finden, aber die Beobachtung bestätigt immer wieder: Die ausgebildete Singstimme wird von Schülern als unnatürlich empfunden, ruft Aversionen wach, reizt zu albernen Parodien (während instrumentales Können – gerade auch in der Popmusik – hohe Anerkennung findet), wird einem vorgeblich elitären Bildungsbürgertum zugerechnet.
Eine didaktische Analyse müsste zudem die Behandlung des Kunstliedes geradezu in Frage stellen: Soll es doch den Sinn fürs Subtile wecken, es setzt ihn jedoch zum Verständnis bereits voraus!
Eine besondere Eigentümlichkeit des romantischen Kunstliedes kommt erschwerend hinzu: Im Allgemeinen meidet es das Dramatische. Sein Inhalt sind Zuständlichkeiten, Stimmungen, die sich allenfalls aus einer dramatischen, nicht eigens mitgeteilten Vorgeschichte herleiten. Obwohl Jugendliche bei der von ihnen bevorzugten Musik eine ähnliche Weise des kontemplativen Hörens, bis zur Trance hinführend, gelegentlich selbst praktizieren, bleibt ihnen das romantische Hörerlebnis fremd; es streift sogar die Sphäre des Peinlichen, wenn es, vor einem zufällig zusammengesetzten Hörerkreis, zum Eingeständnis emotionaler Übereinstimmung verleitet.
Das für den Unterricht ausgewählte Schubert-Lied enthält nun aber beides: das Angebot zur Kontemplation und den Einbruch des Dramatischen. Und: Noch vor dem Anfertigen der Reinschrift für den Druck wurde es zu einer – rein instrumentalen – Variationenreihe umgearbeitet. Es bietet in dieser Gestalt die Möglichkeit, das Dramatische eigens herauszuheben. Die verborgene Vorgeschichte könnte zudem zur Erkenntnisquelle für sein geistesgeschichtlichpolitisches Umfeld werden und Neugier auf das Lied selbst wecken.
Prof. Dr. Hartmut Flechsig, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Die Forelle (pdf 1.170 KB - 35 Seiten incl. Bilder und Noten)


